Dr. Achim Heinze


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Ötztaler Radmarathon 2013

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Ötztaler Radmarathon 26.8.2013 238 km/5500 Hm:

Urknall am Brenner


Die Überschrift klingt nicht unbedingt nach Radsportklassiker - es handelt sich beim Bericht natürlich um den ÖM um den bekanntesten und beliebtesten Radmarathon weit und breit: über 20000 Anmeldungen, 4500 zugelassene Starter, 3700 tatsächliche Starter und 800 Rennaufgaben. Nicht einmal alle prominenten Teilnehmer, wie etwa Gerrit Glomser taten sich 2013 die Tortour an - und man kann es jemand, der als Profi oft genug gezwungenermaßen Vergleichbares erlebt haben dürfte, wirklich nicht verübeln.

Warum? was war eigentlich los?

Ganz einfach: Alle 10 Jahre ist das Wetter beim ÖM richtig schlecht: Dauerregen, das ganze Tal präsentiert sich grau in grau. So wie 2003 war es auch 2013: davor lange Zeit das allerbeste Sommerwetter, doch pünktlich zum Radevent alles anders.

Im Hotel (Pension Liesl in Längenfeld, Fam. Grüner) hätte die Stimmung eigentlich zur Frühstückszeit gedämpft sein müssen, doch da die Inhaber selbst mehrmals beim Ötztaler dabei waren (und nicht nur dort!), wurde allen Gästen Mut zugesprochen: ab der italienischen Grenze sollte es trocken sein - was auch zutraf!

So startete in Sölden der erste Block pünktlich um dreiviertel sieben inclusive der Bekannten und Favoriten - allen voran nun schon zum dritten Mal Jan Ullrich, der in Österreich die Anerkennung erhält, die Deutschland ihm medial verweigert. Immerhin ist die überwiegende Mehrheit der Teilnehmenden aus Deutschland und es gibt wohl wenige, die sich nicht über die Aufwertung der Veranstaltung und Radmarathonszene durch seine Anwesenheit freuen dürften!

Das Rennen beginnt mit einer langen und nassen Abfahrt nach Ötz. Von dort geht es direkt das unrhythmische Kühtai hinauf. Gefahren wurde sogar von der Spitze anfangs noch moderat, sodass längere Zeit zumindest Sichtkontakt bestand. Als 43. überquerte ich die Matte auf der Passhöhe. Die nasse und steile Abfahrt ging ich wie einige aus meiner Gruppe mit Vernunft an. Kurz vor Völs kam es wieder zum Zusammenschluss. Eine weitere Gruppe wurde auf dem Weg zum Brenner eingeholt, so dass alles nach Plan verlief. Als 41. überquerte ich die Brennerpasshöhe ohne mich bisher besonders angestrengt zu haben.

Nun sollte eigentlich die bessere Hälfte beginnen, der Regen war abgezogen und die Fahrbahn nur noch stellenweise feucht. Doch plötzlich gab es in unserer Gruppe einen lauten Knall (Urknall nur als kleiner Appetizer, damit der Artikel auch gelesen wird) - der Betroffene des Schadens war ich selbst: eine Speiche war gerissen und das Vorderrad deshalb völlig verzogen, sodass man kaum noch fahren sollte.
Folglich ließ ich mich aus der Gruoppe "fallen" und wartete auf ein Servicefahrzeug. Zum Glück nicht allzu lange, sodass ich mit einem neuen Vorderrad allein weiterfahren konnte. Die Wunschgruppe war weg, aber auch die nächste noch nicht gekommen.

Am Jaufenpass versuchte ich es aus der Not heraus zu sehr mit der Brechstange; sprich mit aller Gewalt die verlorene Zeit wieder gutzumachen, merkte aber gegen letztes Drittel, dass ich mir so nur Krämpfe einhandeln würde. Somit verpflegte ich mit Red Bull und Wasser und fuhr die langsamste Abfahrt meines Lebens. Erstens, weil das geliehene Vorderrad natürlich nicht hundertprozentig passte und die Bremswirkung eher eine akustische war - und zweitens, weil ich wegen des defekten Laufrades einen kleinen Sturz gehabt hatte und eigentlich den Carbonlenker nach dem Aufprall hätte checken sollen, was unterwegs natürlich nicht möglich ist! Aber es ging ja wieder einmal gut!

Als vierter Pass stand noch das über 2400 Meter hohe Timmelsjoch bevor. Zu Beginn des letzten Viertels schloss Jan Ullrich zu mir auf. Ich hätte gar nicht gemerkt, wer da neben mir fährt, wenn er nicht so freundlich gegrüßt hätte. Nach einem kurzen Gespräch kann ich nur bestätigen, dass er tatsächlich der sympathische und unkomplizierte Typ ist, als der er bekannt ist. Dieser Eindruck kann nicht täuschen, da sich am Ende des Ötztaler Radmarathons bzw. Timmelsjochs mit über 200 Kilometern und über 5000 Höhenmetern niemand mehr verstellen kann. Das ist auch das wirklich Besondere am (Rad-)Sport, dass er, was die individuelle Anstrengung und Leistung angeht, so gnadenlos, schonungslos und ehrlich sein kann!

Ehrlich sein will ich auch in einer weiteren Sportsache: So wie es aussieht war dieser Tag die voraussichtlich letzte Teilnahme an einem langen oder auch extremen Radsportwettbewerb. Sicherlich werde ich diesem Sport verbunden bleiben und auch als Aktiver, beispielsweise bei Bergrennen erhalten bleiben, aber es hat sich schon die ganze Saison 2013 über abgezeichnet, dass oft das Gefühl da war, auf der Stelle zu treten (im übertragenen Sinn, nicht auf dem Ergometer!). Beispielsweise wäre ich statt des Amade-Radmarathons lieber den Schafberglauf in St. Wolfgang mitgelaufen, aber da ich die Rennkilometer zur Vorbereitung brauchte, war Berglauf tabu. Das werde ich in Zukunft anders halten...

Jedenfalls wusste ich, dass die Abfahrt vom Timmelsjoch für längere Zeit die letzte sein würde und genoss diese Momente, als sogar noch die Sonne zwischen den Wolken hervorkam zum Abschluss ganz besonders.

Die Einzelzeiten:


Bergzeitfahren Oetz-Kühtai 17.3km, Höhenunterschied 1200m
Fahrzeit 1:03.11,0
Durchschnitt 16,428 km/h
Rang Gesamt 46.
Rang Kategorie 15.

Bergzeitfahren Innsbruck-Brenner 38.2km, Höhenunterschied 697m
Fahrzeit 1:12.26,8
Durchschnitt 31,637 km/h
Rang Gesamt 41.
Rang Kategorie 13.

Bergzeitfahren Gasteig-Jaufenpass 21.6km, Höhenunterschied 1130m
Fahrzeit 1:03.43,8
Durchschnitt 20,335 km/h
Rang Gesamt 54.
Rang Kategorie 16.

Bergzeitfahren St.Leonhard-Timmelsjoch 31.4km, Höhenunterschied 1759m
Fahrzeit 2:01.14,5
Durchschnitt 15,539 km/h
Rang Gesamt 61.
Rang Kategorie 25.

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