Dr. Achim Heinze


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Double Iron EM 2005

Wettkampfberichte > 2005 und älter

Ultratriathlon: Double Iron- Europameisterschaft 9.-12.6.2005

Distanz:7,6km swim - 360km bike - 84,4km run

Team:

Dr. Achim Heinze (Athlet)

Florian Müller-Wühr (Physiotherapeut, Verpflegung)

Ralf Heinze (Teamarzt, Ernährung/Verpflegung)

Oliver Loy (Technik, Verpflegung)

Jürgen Kühnert (Rundenstatistik, Verpflegung)


Am Donnerstag, dem 9.6.2005, starteten wir bepackt mit Wettkampfverpflegung, Zelten, Campingausrüstung, Wettkampfrad, Ersatzrad und diversen Wachmachern für die Crew von der verregneten Alpennordseite in Richtung Kärnten. Doch die Hoffnung auf besseres Wetter im Süden erfüllte sich nicht: Es schneite sogar!

Nach der Teilnehmervorstellung testeten wir noch per Arm die niedrige Wassertemperatur. 13 gar nicht so kurze Runden waren schwer unvorstellbar. Mein seit 10 Tagen andauernder Heuschnupfen und die dazugehörige Erkältung waren auch noch nicht besser. Die Nacht verbrachte ich auf extrem durchgelegener Matratze in Hängemattenposition, wachte um 7 Uhr aber abgesehen von Halsschmerzen gut gelaunt auf. Unter dem Wettkampfrad hatte sich eine Wasserpfütze gebildet, die noch von der letzten Ausfahrt im Regen zeugte: Also Sattel runter, Wasser aus dem Rahmen.

Nach Frühstück, Einkaufen, Mittagessen und Wettkampfbesprechung war Entspannung angesagt. Mehr als eine Stunde vor Start liefen schon die ersten im Neoprenanzug herum. Mehr als 1000 Zuschauer drängten sich am See, sodass auch ich angesichts der verzögerten Startzeit länger als beabsichtigt im Neo rumstand.
Kälte, Wellen, Wasserpflanzen und die enge Schwimmbrille machten das Ganze zur Tortur. Mit dem Gefühl, an letzter Stelle zu liegen, schwamm ich nach 1,5 h zu meinen Betreuern am Steg. Nach einem Schluck noch kälteren Wassers und der Info, dass ich in der Mitte (Rang 22) lag, schaffte ich mit großer Zuversicht auch die zweite Hälfte.

Mit blauen Lippen wechselte ich in langer Bekleidung auf´s Rad. Trotz der Kälte machten die 7 Kilometer-Runden großen Spaß! Mit einem Schnitt von etwa 30 km/h ging es in die dunkle Nacht. Nach Einbruch der Dunkelheit zogen mich meine Betreuer fast vom Rad, da ich immer noch ohne Licht und mit Sonnenbrille fuhr. Runde um Runde konnte ich viele Einzelstarter überholen. Wurde ich überholt, beruhigte es mich meist, dass es fast nur Staffelteilnehmer waren, die sich die Strecke zu zehnt aufteilten.

Nach der Hälfte der Radstrecke (180 km) zog ich mich komplett um. Ich wusste, dass ich bereits an 15 Position lag. Um meine Haut vor Kälte zu schützen, fuhr ich wie im Winter mit Tuch vor dem Mund. Zu diesem Zeitpunkt hatten bereits 10 der 40 Starter aufgegeben; darunter der Dekatriathlon-Weltmeister (10-fache Ironmandistanz) Pascal Pich.

Der Wechsel vom Rad zum Lauf um 9 Uhr 30 am Morgen erfolgte nur als schnelles Umziehen.Die ersten 30 von 57 Laufrunden waren relativ angenehm, ich konnte weitere Athleten überholen und lag bald an 12. Stelle. Anschließend ließ ich mich kurz massieren, schlief dabei (leider) ein und wurde nach 3 Minuten unsanft wieder geweckt. Als mich meine Betreuer wieder zur Strecke führten, war der Spaß endgültig vorbei. Bei jedem Schritt kämpfte ich gegen die Übermüdung.

Gegen Abend lief hier niemand mehr locker. Ultratriathlonlegende Guy Rossi wechselte bereits in seinen unverwechselbaren Laufstil mit zur Seite geneigtem Kopf. Spinning-Bike-Weltrekordhalter (77 Stunden!) Yves Beauchamp walkte nur noch - das allerdings ziemlich flott.

Eine Laufrunde erlebte man etwa so: Teambox mit Verpflegung - Zielbereich mit Zuschauern -Anzeigetafel "nur" noch 12 von 110 Gesamtrunden - Kirchturmuhr (wenig motivierend) - Tankstelle mit Bierbänken - leichter Anstieg - Gefälle - kurzes Schattenstück - Teambox.


Die Zuschauer an der Strecke waren so enthusiastisch, dass ich zuerst dachte, die kennen mich, sind irgendwo aus meiner Nähe. Unermüdlich wurde man angefeuert, abgeklatscht und beim Vornamen gerufen. Vielen Dank an die Kärntner Fans. Nach 21 Uhr, als es merklich zu Dämmern begann, war es soweit: Die letzte Runde wurde eingeläutet. Die letzten 300 Meter waren die schönsten. Meine Betreuer liefen die letzten 100 Meter neben mir, konnten aber mit Camera und Trinkflasche in den Händen kaum mithalten.

Mit dem Ende der Belastung begann man doch schnell zu frieren. Ich legte mich vor´s Zelt auf die Isomatte, konnte und wollte nichts mehr trinken. Die Geschmacksnerven waren zu sensibel für alles Angebotene. Von unserer geplanten Grillparty erlebte ich nur die Anheizphase; geplant war ursprünglich, im Zelt zu schlafen - unvorstellbar. Selbst der Gedanke an das ungeheizte Hoteleinzelzimmer schreckte ab.
Ein Schwächeanfall beim Aufstehen klärte das Übernachtungsproblem: das Klagenfurter Krankenhaus war nun die erste Adresse. Bei der Siegerehrung tags darauf um 14 Uhr stand ich wieder auf der Matte und war beruhigt, dass viele andere mit Krücken bzw. Spreizschritten auf´s Siegerpodest u.s.w. auch keinen besseren Eindruck hinterließen.

Wie manche Profis es schaffen, am nächsten Morgen selbst das Zelt selbst wieder abzubauen, ist mir ein Rätsel! Ein Teilnehmer aus Ungarn tanzte sogar noch in der gleichen Nacht im Bierzelt! So richtig frisch sah allerdings niemand aus. Knapp 4 Kilo leichter und an Erfahrung und Erlebtem reicher, versuchte ich die Ehrung zu genießen.

Da die EM international in 2 Klassen (U40/Ü40) gewertet wurde, darf ich mich nun Europameisterschafts-Sechster nennen. Zusammen mit Martin Schityl (Frankfurt) und Thomas Staats (Gadenstedt) konnte ich als zweitbester Deutscher zudem die Bronzemedaille in der Nationenwertung in Empfang nehmen.

Direkt danach ging´s wieder durch die Berge nach Hause. Das Wetter sollte nun schöner werden - leider etwas zu spät.

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