Dr. Achim Heinze


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Ötztaler Radmarathon 2012

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Ötztaler Radmarathon 26.8.2012: 5500 Hm, 238 km

Zum zweiten Mal war ich beim begehrtesten Marathon der Radszene dabei, dieses Jahr mit Abfahrt aus dem ersten Startblock. Wie man dorthin gelangt (leistungsbezogen), kann man im Rennbericht 2011 nachlesen (Neuerung: 8:20 ist aktuell die Referenzzeit). Selbst wie man dorthin kommt (räumlich), wird in einem individuell ausgehändigten Plan, welcher der Startnummer anhaftet, genau erklärt. Perfekt!

Doch im Gegensatz zur Jubiläumsauflage ein Jahr zuvor, war nicht alles auf dem selben hohen Niveau. Allem voran das Wetter und damit auch der Zuschauerzuspruch. Es dürften 2011 an der Strecke vier- bis fünfmal mehr Fans gewesen sein.

Somit erst einmal zu den Voraussetzungen: Es handelt sich um einen der beliebtesten und auch teuersten Radmarathons der Szene. 19000 Anmeldungen für etwas mehr als 4000 Startplätze - dies nutzen offenbar manche zum wenig ehrenhaften Handel mit dem Radsport. Ein Bekannter von mir, im positiven Sinne "süchtiger" Teilnehmer, Fan und ebenfalls Unter-8-Stunden-Finisher berichtete davon, für einen ersteigerten Startplatz 2012 über 400 Euro errichtet zu haben. Dies zeigt neben dem traurigen Profitdenken einiger unsportlicher Profiteure aber auch, welchen hohen Stellenwert diese Veranstaltung bei den Marathonisti besitzt.

Entsprechend hoch ist auch die Erwartungshaltung und die Verpflichtung der Veranstalter. Wenn man den Tourismusverband mit ins Boot (besser in den Sattel) holt, steht folglich das Renomee des (Sommer-)Tourismus des gesamten Ötztales auf dem Spiel. 700 Helfer aus dem ganzen Tal haben aber auch 2012 in gewohnter Weise dafür gesorgt, dass der sportliche Höhepunkt der Sommersaison ein großer Erfolg wurde.

Vorbereitung:
Wenn man aus Salzburg/Münchener Richtung am Vortag per Pkw kommt, hat man am Innsbrucker Autobahndreieck zwei Möglichkeiten: Bregenz oder Brenner. Eigentlich keine Frage, wenn man ins Ötztal gelangen will: Bregenz!
Doch mein Pkw fuhr Richtung Brenner. Warum? Nein, ich habe mich nicht schon am Vortag verfahren, sondern noch einen Special Deal zu erledigen gehabt. Auch keine konspirative Übergabe heißer Ware am Brennero, wenns auch von der Wortwahl gut zusammenpassen würde.

Wer den Bericht vom Vorjahr gelesen hat, ahnt evtl. schon, was ich in Schönberg erledigt habe...

... O.K. nicht hingeklickt, ich verrat´s dann eben: Ein Beutel mit 2 Flaschen und 2 Gels wurde dort von mir an einen Gartenzaun gehängt. Witzigerweise wurde ich schon von den Besitzern des Grundstücks erwartet - allerdings in guter Absicht und sogar mit etwas Stolz, dass man selbst auch einen kleinen Beitrag zum Ötztaler RM leisten kann.

Übrigens: Sogar in Schönberg hingen mehrere RM-Plakate, obwohl man diese Werbung bei derart vielen Anmeldungen nicht nötig hätte - aber es geht dem Veranstalter eben auch um soziale Verträglichkeit seines Events.

Damit wären alle Vorkehrungen getroffen, ich parke mein Auto in Sölden und ordne mich in dem im Gebäude einbahngeregelten Fußgängerverkehr zur Startnummernausgabe ein.

Nach dem Erhalten der Unterlagen begebe ich mich in den ruhigeren Nachbarort Längenfeld, in die Pension Liesl der Radsportfamilie Grüner, deren Oberhaupt selbst teilnimmt. Mit Einbruch der Dunkelheit setzt schließlich sehr starker anhaltender Regen ein, der die Vorfreude schon trüben kann. Mit den Gedanken, ob man nicht doch mit Regenjacke starten sollte (habe ich seit 3 Jahren nicht mehr getragen, lieber Tom!), entschlummern - mehr oder weniger fest - einige tausend Rennradfahrer im Ötztal.

Wenn man schon einmal 22 Stunden im Nonstop-Schnürlregen auf dem Fahrrad zugebracht hat, sollten einen die angepeilten Sub-8-Stunden nicht mehr schrecken. Doch als der Wecker um 5:01 (eine Viererzeit wollte ich aus schlafpsychologischen Gründen dann doch nicht einprogrammieren) läutet, horche ich als erstes, ob man das Regengeräusch noch hört. Ja, man hört es und das ziemlich laut. Der erste Gang führt mich damit auf den Balkon, um die Niederschlagsintensität einzuschätzen. Alles ist klatschnass und feucht, doch von oben kommt derzeit nichts dazu. Das Wasserrauschen kam vom (fast übergelaufenen) Bach.

Nach einem guten Pensions-Frühstück (wer als Hotelier selbst radelt, weiß einfach, was man braucht), setze ich mich ins Auto und parke dieses bei der Giggijochbahn. Eine Dreiviertelstunde vor Beginn ist fast zu früh, aber da es nicht mehr regnet, wird alles halb so wild. Der (verdiente) Luxus des ersten Startblocks macht es insgesamt einfacher als vor einem Jahr.

Um dreiviertel 7 (also 5 Minuten nach dem Eintreffen eines sehr gelassen wirkenden Jan Ullrich) starten wir als die ersten 300 - 400 Ambitionierten, die das Ganze nicht nur als Prüfung Mann gegen Berg, sondern auch Mann gegen Nebenmann sehen. Für mich ist es so wie bei jedem anderen Radmarathon auch: Einige bekannte Gesichter, aufpassen, damit nichts passiert, aber alle fahren konzentriert und verzichten auf Gespräche während der 30 km Abfahrt nach Ötz.

Dort wird an Position 100 besonnener als letztes Jahr an Position 2000 in den Berg gefahren. Natürlich zieht sich das ganze in die Länge, man versucht sich zu orientieren. Links neben der Leitplanke sehe ich Jan Ullrich fahren, den ich gemeinsam mit Harry Nussbaumer aus der Schweiz überhole. An ihn wollte ich mich zunächst tempomäßig halten, doch er bleibt etwas zurück. Auch die Siegerin der Vorjahre überhole ich, Jakob Zurl ebenfalls. So recht weiß ich nicht, wie schnell ich hier schon fahren soll.

Der Plan wäre, in der zweiten oder dritten Gruppe übers Kühtai - also etwas weiter nach vorne, um Überblick zu erhalten. Nach einem Drittel interpretiere ich die Rennsituation in etwa so, wie sie auch tatsächlich ist: Ich befinde mich mit drei weiteren Fahrern etwas vor der zweiten Gruppe. Die erste Gruppe sehen wir im flacheneren Abschnitt, genau so wie gewünscht. Ich nehme etwas Tempo raus und fahre mit der zweiten Gruppe mit. Dasselbe gilt für die schnelle Abfahrt und auch bis Innsbruck. Dort beginnt es zu regnen und als es langsam wieder bergan geht, entdecken wir die Führungsgruppe keine 300 Meter vor uns. Ich erkenne sogar, wer vorn fährt (Michael Kastinger). Jetzt aufschließen, das wäre optimal, ganz wie taktisch gewünscht. Doch dazu kommt es nicht.

Bei den Führenden gibt es am Bahngleis einen Sturz, was entweder uns lähmt oder die erste Gruppe schneller fahren lässt. Fakt ist jedenfalls, dass wir sie nicht mehr wiedersehen und bis zum Brenner einen ordentlichen Rückstand von fast 10 min "heraus"fahren. Wir versuchen einen Kreisel als es flacher wird und der Gegenwind einsetzt. Doch jeder will sich schon für die beiden schweren Pässe Jaufen und Timmelsjoch schonen.

Es macht zumindest die Aufnahme meiner Verpflegung einfacher: Mein Radbeutel hängt am Zaun, ich halte kurz an, hänge mir den wassergetränkten Stoffsack um und sprinte "meiner" Gruppe hinterher. Schwierig ist es nicht.
Am Brenner sind wetterbedingt weit weniger Zuseher als vor einem Jahr. Auch die Labe ist nicht mehr vom Rad aus greifbar, sodass ich leer ausgehe und keine Riegel für die Abfahrt ergattere.

Zum Jaufenpass hin wird extrem gebummelt bzw. geschont, bergan ändert sich das schlagartig. Nach Ende des ersten Fünftels attackiere ich selbst, sodass wir zu dritt als die "Führenden" der Gruppe 2 den Pass überqueren. Ich verpflege mich kurz, esse und trinke auf der extrem holprigen Abfahrt und merke, dass meine 8,5 bar in den Reifen zu viel sind. Alles zusammen gepaart mit der fehlenden Risikobereitschaft führt dazu, dass ich fast 10 Plätze verliere. Es dauert sehr lang bis ich im Anstieg Timmelsjoch all diejenigen wieder einhole. Dabei erstaunt mich jedesmal der große Tempounterschied.

Das Timmelsjoch ist abgesehen davon eine einsame Tour, nur an den Verpflegungen rührt sich etwas. Diese sind lang ersehnt, denn seit St. Leonhard ist es sommerlich und heiß mit den Knielingen, und und und... Wohin mit der ganzen Wärmekleidung?

Als ich den Tunnel am Scheitel des Timmelsjochs passiere, ändert sich das Wetter schlagartig. Die Nordseite bietet dichten Nebel und kurz darauf einsetzenden Regen mit einem extremen Gegenwind. Einen Gegenanstieg unterschätze ich noch, sodass die Kette beim unerwarteten Zurückschalten aufs kleine Blatt abspringt. Ich werde es mir fürs nächste Jahr merken bzw. die Strecke unbedingt vorher abfahren, das hätte viel gebracht. 37 min vom Timmelsjoch bis Sölden sind einige Minuten zu viel, aber natürlich auch dem Schlechtwetter geschuldet.

Ins Ziel komme ich mit 7:50 - das Soll ist damit erfüllt, der Schnitt mit 30,4 km/h wirklich gut, aber es ist eindeutig noch mehr drin. Noch lieber wäre mir allerdings eine zusätzliche Zielankunft auf dem Rettenbachferner!
Aber auch so werde ich wiederkommen!

Die Daten des Rennens:

Name Achim Heinze
Startnummer 144
Land/Ort D-Simbach am Inn
Kategorie Männer / Uomini M1
Startzeit 6:45.00,0
Zielzeit 14:35.11,4
Fahrzeit 7:50.11,4
Durchschnitt 30,370 km/h
Rang Gesamt 55.
Rang Kategorie 23.


Stelle Tageszeit Fahrzeit Rang Gesamt
bis Oetz 7:22.14,2 37.14,2 26. 60.
bis Kühtai 8:23.59,4 1:38.59,4 16. 50.
bis Innsbruck 9:08.08,9 2:23.08,9 24. 64.
bis Brenner 10:14.55,5 3:29.55,5 23. 57.
bis Gasteig 10:39.12,0 3:54.12,0 22. 55.
bis Jaufenpass 11:36.41,1 4:51.41,1 16. 47. (beste Platzierung im Rennen)
bis St.Leonhard 12:01.53,9 5:16.53,9 20. 54.
bis Timmelsjoch 13:58.15,7 7:13.15,7 20. 51.



Bergzeitfahren Oetz-Kühtai 17.3km, Höhenunterschied 1200m
Fahrzeit 1:01.45,2
Durchschnitt 16,808 km/h
Rang Gesamt 59.
Rang Kategorie 21.

Bergzeitfahren Innsbruck-Brenner 38.2km, Höhenunterschied 697m
Fahrzeit 1:06.46,6
Durchschnitt 34,323 km/h
Rang Gesamt 54.
Rang Kategorie 20.

Bergzeitfahren Gasteig-Jaufenpass 21.6km, Höhenunterschied 1130m
Fahrzeit 57.29,1
Durchschnitt 22,545 km/h
Rang Gesamt 37. (ist ja auch der Lieblingspass, aber eben nur bergauf...)
Rang Kategorie 15.

Bergzeitfahren St.Leonhard-Timmelsjoch 31.4km, Höhenunterschied 1759m
Fahrzeit 1:56.21,8
Durchschnitt 16,190 km/h
Rang Gesamt 67.
Rang Kategorie 27.


















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