Dr. Achim Heinze


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Race Across The Alps 2011

Wettkampfberichte > 2011


RACE ACROSS THE ALPS
Juni 2011
540 km
14000Hm


Die elfte Auflage dieses populärsten Extremradrennens in hiesigen Breiten war meine erste Teilnahme. In der Vorwoche konnte ich zusammen mit meinem Bruder und Renato Ramella einige Schlüsselstellen in Augenschein nehmen. Dabei wurde klar, dass es spätestens ab dem gefürchteten Mortirolo kein Rennen gegen andere Teilnehmer sein würde - die langen und steilen Pässe würden unsere Gegner sein!

Im Einzelnen je nach Zählweise stattliche 13 Pässse (man kann den ersten Reschen und den zweiten Stelvio auch dem Startort Nauders bzw. dem Umbrailpass zurechnen).


Aber der Reihe nach:

Am Montag vor dem Rennen (Start am Freitagmittag) waren die Wetterprognosen wieder einmal denkbar schlecht. Diese wurden im Laufe der Galgenfrist vor dem Rennen glücklicherweise immer besser, sodass wir - um es vorweg zu nehmen - tatsächlich trocken durchkamen!

Dennoch: Auf der Anfahrt herrschte noch Starkregen mit Weltuntergangstimmung und prompt spürte ich Halsschmerzen. Leider trügten diese Anzeichen einer drohenden Erkältung nicht und ich wurde über Nacht krank. Man hätte angesichts einer sehr guten Vorbereitung und dem Wetterpech, dass meine Pollenallergie genau dann einsetzt, wenn der erste Saisonhöhepunkt direkt bevorsteht, schon verzweifeln können. Erstaunlicherweise habe ich mich nicht geärgert, sondern bin am Renntag zur Tagesordnung übergegangen: Nach der medienwirksamen Ensure-Übergabe für s´Eglis war noch etwas Smalltalk mit Franz Venier, Harald Zima und weiteren Dauergästen bei solch langen Veranstaltungen angesagt. Die Startkulisse für uns 44 Rennradfahrer war jedenfalls unvergleichlich groß!


Dass nicht alles, was im Roadbook steht, 1:1 eingehalten wird, konnte man bereits nach 2 km merken. Es ging im berühmt wie berüchtigten Paul-Lindner-Tempo den kurzen Reschenpass hoch - was aber genügte, um bereits mehrere Gruppen mit deutlichem Abstand zu erzeugen.
Die Abfahrt vom 1365 m hohen Reschenpass führte dann tatsächlich in das schönste Sommerwetter. Das Verkehrsaufkommen auf diesem Rennabschnitt war hoch und wir alle hätten uns bis Prad ein signalisiertes Vorausfahrzeug gewünscht!


Nach Prad ging der wahre Kampf gegen den Berg endlich los! Paul Lindner solo voraus, danach Maurizio Vandelli, Thomas Strebel, Omar di Felice, Reto Schoch, Francois Grandjean und Pierre Bischoff in der ersten Gruppe und knapp dahinter Franz Preihs, David Rhitaric, Patric Grüner und ich. Hinter uns fuhr Harald Zima - mehr habe ich nicht mitbekommen. Ohne voll zu fahren konnte ich auf ca. 2000 Metern Seehöhe zu Pierre Bischoff und Francois Grandjean aufschließen.


Mit letzterem ging in auch in die schnelle und sehr holprige Abfahrt vom Stelvio (2757 m). Auf halber Höhe verklemmte sich beim Schalten auf das kleinste Ritzel die Kette, sodass leider Absteigen angesagt war. Die Geistesgegenwart meiner Betreuer Alfred und Jürgen verschaffte mir schnell die Möglichkeit, auf dem Ersatzrad weiter zu fahren.


Mit diesem kam ich jedoch auf Grund der veränderten Sitzposition nicht besonders gut zurecht. Die Folge waren Krämpfe am Gaviapass (2652 m) und ein Zurückfallen in der Wertung. Zusammen mit Markus Hager befuhr ich - zurück auf dem reparierten Originalrad - Apricapass (1176 m) und den extrem steilen Mortirolo (1846 m). Doch das machte mit dem gewohnten Rennrad keine Probleme. Dabei wurden wieder Plätze gut gemacht, sodass ich etwa auf Rang 10 bzw. 11 lag.


Zum zweiten Mal ging es über den Aprica (nach wie vor noch 1176 m hoch), allerdings nun in der Abendstimmung ohne Verkehr. Hielt uns bei der ersten Runde noch ein Transport-Lkw mit Anhänger bergab auf, so konnte man sich nun durch die sanften Kehren problemlos hindurchschwingen.


Mit dem Berninapass (2330 m) galt es nun, 2000 Höhenmeter am Stück zu überwinden - ganz nach meinem Geschmack. Trotz unerwartetem Malojawind konnte ich hier an Marcus Hager, David Rhitaric, Maurizio Vandelli, Omar die Felice und - einem Unbekannten im Pkw (vermutlich Chris Sperl) vorbeiziehen. In der kalten Abfahrt musste mich auch noch Harald Zima ziehen lassen. Bergauf zum Albula (2306 m) fuhr ich am Streckenrand stehenden Paul Lindner vorbei. Nun kam auch der schönste Rennmoment: Mein Betreuerauto schickte ich voraus und die sternenklare, klare und kalte Gebirgsnacht gehörte mir. So als wäre man ganz allein auf der Welt!


Die stockdunkle, extrem enge und den Namen Teerstraße nicht verdienende Abfahrt weckte mich aber jäh aus allen romantisierenden Träumen: 1300 Höhenmeter in bremsender Unterlenkerhaltung mit 3 Kiesstraßenabschnitten waren eine schmerzliche Rückenbehandlung. Als die Straße endlich besser wurde, konnten wir uns von ihr gar nicht mehr trennen - und fuhren an der schlecht auszumachenden Abzweigung Alvaneu-Bad vorbei Richtung Surava.


Nach Korrektur des Fehlers hatte mich ein Teilnehmer überholt. Obwohl er nur unwesentlich voraus war, ich richtig schnell fuhr und mir die Steigung nach Schmitten lag, konnte ich ihn unverständlicherweise nicht mehr einholen. Später, als er dann disqualifiziert war, wurde sein nicht ganz radgerechtes Tempo verständlicher. Zur Info: Jeder Teilnehmer hat ein GPS-Ortungsgerät im Trikot - so fallen eben hohe Geschwindigkeiten, die man nur mit Festhalten am Auto bergan erreichen könnte, eben auf. Allerdings war er nicht der einzige, der diese Unsportlichkeit anwendete. Hier müsste man bei der Rennbesprechung unbedingt an die Ehre der Langstreckenfahrer appelieren!


Einsam ging es für mich nun in die Morgendämmerung über Davos auf den Flüelapass (2399 m). Die Temperaturen blieben konstant um die Null Grad, sodass auch der Ofenpass bei einsetzendem Sonnenschein ebenfalls mit voller Kleidermontur bezwungen werden musste. Oben schloss Paul Lindner zu mir auf. Nach der gemeinsamen Abfahrt konnte ich mich zunächst am Umbrail (2503 m) absetzen, nach etwa der Hälfte merkte man dann doch, dass Paul Lindner ein höheres Grundtempo treten konnte. Gegenwind gab es hier - wie an anderen Streckenabschnitten - auch, aber das sei nur erwähnt, da es zum Extremradsport gehört wie der hektisch-heisere Befehlston zu mancher Passhöhe.


So auch beim Stelvio (2757 m). Die folgende knapp 2000-Höhenmeter-Abfahrt war aber nur eins: gefährlich! Ein Verkehrsaufkommen wie am mittleren Ring in München und viele rücksichtslose Motorradfahrer. Auf ein Duell um das Recht des Stärkeren wollte ich mich nicht mehr einlassen. So war mir klar, dass es durchaus eng sein würde, um den siebten Platz nach hinten zu verteidigen. Harald Zima saß mir mit ca 6 Minuten Abstand im Nacken. Eine kurze Überlegung gab es schon, ob ich mit ihm durchs Ziel fahren sollte, da wir bei den Brevets auch immer gemeinsam pedalieren.
Doch da die Veranstaltung auch den namen Race (...) trägt, sollte man es auch am Reschenpass so fahren - nämlich als Wettkampf um den siebten Platz hinter Paul Lindner (und gegen einen Sturm, der einem bergauf das Gefühl gab, zu stehen!).


Schließlich hat alles gut geklappt, ich habe meinen Tretrhythmus gefunden. Auf der Passhöhe holte mich die Rennleitung ab; die Zieleinfahrt war schließlich unvergleichlich und unvergesslich schön. Musste man bei anderen Rennen erst einmal nach der Rennleitung suchen, wurde man hier in Nauders gleich interviewt und in bester Stimmung gefeiert. Dasselbe galt dann auch für die Abschlussehrung: ein randvoll gefülltes, brodelndes Festzelt - die Idee, mehrere Radsportveranstaltungen zu kombinieren hat sicher Vorbildcharakter.



Alles in allem ein Extremradrennen, das man einfach gemacht haben muss!!



Gesamtzeit: 25 Stunden und 6 Minuten.



Mein ganz großer Dank geht an Alfred und Jürgen für 25 Stunden Nonstop-Betreuung!!!!!!

Pics: Alfred Netreval

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