Dr. Achim Heinze


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RAID PROVENCE EXTREME 10./11.5.2008

Wettkampfberichte > 2008

RAID PROVENCE EXTREME 580 km/8500 Hm 11./12.5.2008

Nach 12 Stunden Autofahrt erwartete uns in St. Remy/Provence ein Startgelände, das eher nach MtB-Rennen aussah. Für die teuren Rennräder am Start gleich der erste Härtetest. Auch bei der Wettkampfbesprechung im ehemaligen Bahnhofssaal hatte man eher das Gefühl, bei einem Rennen in Südamerika zu starten. Die Szene offenbarte aber ihren eigenen Charme und bewies auf jeden Fall Kultcharakter. Die Veranstalter um Partick Francois waren sehr bemüht und zuvorkommend. Zu bemängeln ist allerdings, dass man ein Blatt mit letzten Infos ausgeben muss; besonders dann, wenn eine Streckenänderung vorgenommen wird.

Zum Renngeschehen: Die Randonneure (ohne Begleitfahrzeug!!) dürfen eher auf die Strecke, die Ultrafahrer legen um 10.30 Uhr los. In Bedoin, am Fuße des Mont Ventoux istdann wieder einmal gar nichts klar. Einmal heißt es um ein Uhr geht´s los, dann wieder um halb zwei. Plötzlich um ein Uhr der Start. Es geht richtig los, aber mit Windschatten. Auf meine Nachfrage höre ich als Antwort, dass in 3 Kilometern das Rennen losgeht, einzelne sind aber schon abgehängt!? Ich fahre jedenfalls vorne weg, nur ein franz. Fahrer folgt. Nach einer Tempoverschärfung sehe ich, dass er stehend, dann wieder sitzend fährt. Also noch mal schneller und er ist weg.

Beim Chateau Reynard geht´s mit 3 min Vorsprung schon wieder runter. Nach der holprigen Abfahrt der 1. Kontrollpunkt. Als ich ankomme, fährt bereits ein Begleitfahrzeug eines anderen Fahrers davon. Als ich unterschreibe stehen schon 5 Fahrer auf der Liste, von welchen mich keiner überholt hat. Sofort lege ich Protest ein, die Diskussion scheitert aber daran, dass ich das franz. Wort für "überholt werden" nicht kenne. Also der Auftrag an Jürgen, meinen Cousin und Fahrer des Begleitwagens, seine hervorragenden Französischkenntnisse in die Diskussion einzubringen.

In der Zwischenzeit fahre ich ohne Streckenkenntnis allein weiter, um nicht noch mehr Zeit zu verlieren. Dabei verliere ich den Weg, das Begleitfahrzeug, die Führung und natürlich auch das Rennen. Als ich 10 km allein unterwegs bin, schwant mir Böses. Ich krame das Handy raus, entferne die Schutzfolie, tippe die Pin-Nr ein, usw. Wo ich bin? Keine Ahnung! Also zurück bis zum nächsten Wegstein mit Nummer. Neuer Anrufversuch, Tastensperre, usw. Bergauf fahre ich meinen Begleitern entgegen. Endlich sind sie bei mir. Alles auspacken, umräumen, Vorderrad raus,... Wo soll jetzt mein Bruder hin? Für 3 ist im Fahrzeug kein Platz! Irgendwie geht´s doch, natürlich herrscht jetzt das totale Chaos, was das Begleitteam bei Nacht noch mehr stressen sollte, weil nichts mehr da ist, wo es vor der Rückholaktion noch war.

Zurückfahren, ausladen, Rad einbauen, weiter geht´s. Genau in diesem Moment kommt der Rennkomissar vorbei. Den gesichtsausdruck seiner Begleiterin werde ich so schnell nicht vergessen. Was ich hier mache? Gute Frage. Ich sage nur, sie sollen mit meinem Begleitteam sprechen. Und was kommt jetzt? Richtig, ich (ver-)fahre allein weiter und werde dieses Mal vom Funktionär persönlich zurückgeholt. Er fährt die nächsten 2 Stunden voraus. Danke! Als ich wieder einen Fahrer einhole, wird mir am unterschiedlichen Tempo klar, dass ich letzter bin. Ziemlich demotiviert fahre nur ich noch weiter, weil - wenn ich jetzt aufhöre - nie wieder Betreuer für Rennen finde.

Gegen den Wind fahre ich immer Tacho 40 ganz zusammengekauert in Zeitfahrposition. Für Essen bleibt keine Zeit mehr. Einige Teilnehmer hab ich bereits überholt. Während meine Begleiter zum Tanken vorausfahren, greift mich wieder der Rennleiter auf. Er denkt jetzt, dass ich ganz schlecht betreut bin. Wo meine Begleiter sind? "L´essence!" brülle ich zurück. Er versteht wohl "Je (suis) sans!". Jedenfalls schießt er mit seinem Wagen los, um sie zu stellen. Was dann genau passiert, weiß ich nicht. Das Resultat jedenfalls ist, dass der Zeitmalus nicht verrechnet wird. Im Nachhinein stellt sich heraus, dass ich zu schnell auf dem Ventoux war und das Vorausfahrzeug zur Kennzeichnung der Umleitung noch hinter mir.

Die Strecke führt gegen den Wind nach Osten, stets bergauf - bergab ohne Flachstücke. In den Ortschaften sind die Gassen teilweise so eng, dass bei Gegenverkehr das Begleitauto zurücksetzen muss und ich wieder solo bin. Jedes mal ein neuer Nervenkitzel! Trotzdem hole ich weiter auf (wenn ich auch einen ortskundigen Fahrer bereits zum dritten Mal überhole). In den Gorges du Verdon kommt dann im Abendlicht die Freude an der Veranstaltung zurück. Aufhören ist jetzt kein Thema mehr, einfach noch das Beste rausholen. Am Berg kann ich 3 weitere Fahrer distanzieren, gegen Morgen bin ich sechster oder siebter. Probleme macht nur noch die Schaltung, welche am Ventoux perfekt funktionierte, aber durch den unsanften Transport wohl gelitten hat.

Nachdem es weit nach 5 Uhr endlich Tag wird, warnt mich ein franz. Fahrer, der seit 2 Stunden vergeblich versucht, wegzukommen, vor 22% Steigung auf 3 Kilometern. Mir bleibt nichts anderes übrig, als das 4. Ritzel zu benutzen (1-3 schalten nicht mehr), wobei er kurz mein Tempo mitgeht, dann aber absteigen muss. Damit ist die Sache entschieden. Die letzte Stunde genieße ich noch, nehme Tempo raus und leiste mir noch eine kurze Pause in den Alpillen. Dem Rennverlauf entsprechend verfahre ich mich sogar noch bei der Zieleinfahrt, weil ich direkt zum Rennbüro steuere. Der Protokollant sitzt aber auf einer Mauer beim Kreisverkehr davor. Als Gesamtvierter (Platz 2 AK -40) hab ich noch das Mögliche rausgeholt, so dass nicht nur wir uns, sondern auch die Rennleitung und der UMCA-Funktionär sich wirklich freuen.

Ich danke Ernst Pensel für die Karte und die Infos über St. Remy, Jürgen Rosenberger als Dolmetscher und besonnener und umsichtiger Autofahrer sowie meinem Bruder, dass er sich den Stress nochmals angetan hat. Seine Auflagen für zukünftige Veranstaltungen sind nun von mir zu erfüllen. Morgen ich gehe Händy kaufen....

Auch die Veranstalter möchte ich herzlich grüßen, ihr seid sehr bemüht gewesen, letztendlich hat doch noch (fast) alles geklappt. Alle Teilnehmer grüße ich ebenfalls, sicher hatten die meisten ausländischen Fahrer auch das ein oder andere Problem mit dem Roadbook... See you in Wiedlisbach!

Hier geht´s zur Veranstalterhomepage VELO CONCEPT:
http://www.velo-concept.com/?pg=articles&rub=3&cat=34&id=1421&lang=

Mein Video ist fertig: >>>VIDEO RAID PROVENCE EXTREME
Bei youtube gibts auch was dazu. Findet man auf der Veranstalterhomepage.

Da das Betreuerteam kaum Zeit für Fotoshooting hatte, ist der Bericht u.a. mit Bildern von den Tagen danach angereichert.

Mont Ventoux

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