Dr. Achim Heinze


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Inferno2005

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Mystery Inferno Triathlon Schweiz 20.08.2005

Swim 3,1km; Rennvelo 92km/ 2145Hm; Mountainbike 31km/ 1180Hm; Berglauf 26km/ 2175Hm. Ziel auf knapp 3000 m.ü.M./Gesamthöhenmeter: 5500

Voll bepackt mit Rennrad, Mountainbike, Neoprenanzug, Laufzeug etc. fuhr ich am 18.8.05 bei Sonnenschein in Richtung Schweiz. Zur Begrüßung warteten bei Ankunft am Thuner See Blitz und Donner.
Tags darauf schien zum Einrichten der Wechselzone wieder meist die Sonne. Mein Bruder hatte sich doch noch entschlossen, mit dem Zug nachzukommen. Wie hilfreich eine Begleitperson ist, sollte sich angesichts düsterer Wetterprognosen noch zeigen.

1. Etappe: Seeüberquerung Thun - Oberhofen (3,1km)
Noch bei Dunkelheit stand ich zusammen mit 500 weiteren Startern (Einzel und Team) im Thuner See. Um 6.30 fiel der Startschuss. Besonders kalt empfand man die knapp 17 Grad nicht, war doch die Luft nicht wesentlich wärmer. Der Himmel zeigte sich in Wolken, Schnee war noch nicht in Sicht.
Ideallinie schwammen wohl nur sehr ortskundige Athleten. Meinem Empfinden nach schwammen wir zu weit links - andere werden möglicherweise das Gegenteil behaupten. Man kann ohnehin nicht aus, da man sich nach den anderen richten muss - eng war es allerdings nicht!

2. Etappe: Rennrad 92km/2145Hm
Direkt von der Wechselzone hinauf nach Beatenberg. Gemessen am zweiten Anstieg zur Großen Scheidegg mit 1500Hm nur ein kleiner Aufwärmpass - was nach über einer Stunde im kalten Wasser auch notwendig war. 
Nach erwartet durchschnittlicher Schwimmzeit (seit der Ultra-EM bin ich nur einmal 3 km Schwimmen gewesen), konnte ich bergauf viele Radfahrer überholen.  
Die Abfahrt machte Spaß obwohl sie nicht sehr schnell war. Zahlreiche Fans feuerten uns bei der Bahnunterführung in Interlaken an als man das Rad eine Treppe hochtragen musste.
Auf dem folgenden Flachstück (30km) wäre ein Triathlonaufsatz hilfreich gewesen. Ich fuhr mit etwa 36 km/h, wurde aber dreimal von Windschattengruppen überholt. Der Gerechtigkeit halber sollte man vielleicht diesen Abschnitt für Windschattenfahren freigeben, denn streng kontrolliert wurde offenbar nicht.
Die Königsetappe hinauf zur Großen Scheidegg war mit 36/27 Kompaktkurbelübersetzung kein Problem, die gefürchteten Postbusse erwiesen sich als rücksichtsvoll.
Nur einmal wusste ich auf der Abfahrt nicht wohin, wurde auf der falschen Abzweigung gerade noch rechtzeitig zurückgerufen. 

3. Etappe Mountainbike 31km/1180Hm
Der Umstieg vom Rennrad auf´s MTB fiel nicht ganz leicht - mein Rad war erst zarte 10 Tage und einen Kopfübersalto am 12er-Horn alt und die Position weder optimiert noch an´s Velo angeglichen.
Von Grindelwald zur Kleinen Scheidegg - leider sah man auf Grund von Nebel von der Eigernordwand nichts - im letzten Drittel des Aufstiegs setzte kalter Regen ein. Der berühmte Vorhang zur Bühne alpiner Tragödien war geschlossen. 
Meine eigene Tragödie durfte ich dennoch erleben: Per Knopfdruck kann man die festgestellte Federgabel lösen - besser gesagt könnte man.
So durfte ich die 1500 Hm Rüttelpiste nach Lauterbrunnen ungefedert im Stehen abfahren. Das Bild, welches man vor sich hat, entspricht etwa dem Fernsehbild während eines Erdbebens. Da mir schon nach wenigen Kilometern Autofahrt kotzübel wird (leider kein Witz!), war das zu viel. Seekrank im Gebirge!

Natürlich wurde ich bergab ständig überholt. Allein der Vorsatz, das Rad in der Wechselzone auf den Boden zu dreschen (was ich natürlich nicht tat), hielt meine Moral einigermaßen aufrecht.
Bei der Wechselzone zum Laufen wartete mein Bruder, der mich schon während der Ultra-EM ärztlich betreute. Ich versuchte meinen miserables Befinden zu überspielen, doch er erkannte meinen schlechten Zustand sofort. Erst die Auskunft dass ich ungefedert mit dem Mountainbike abgefahren bin, und nicht aufgrund einer Dehydrierung kreidebleich war beruhigte ihn, und er ließ mich weitermachen. Auch wenn keine gute Platzierung mehr drin war, aufs Schilthorn wollte ich auf jeden Fall!

4. Etappe: Ultraberglauf 26km/2175Hm
Viele kommen nur für diesen Lauf hierher, für uns Triathleten war´s nur noch der letzte Abschnitt. Zuerst ging´s aber 6 km bergab - was mir und meinem Gleichgewichtsorgan den Rest gab.
Es sollte bis nach Mürren dauern, als Kälte und Regen mir wieder einen klaren Kopf schafften und das Rennen wieder Spaß machte. Gelaufen war´s für mich ohnehin schon. 
Gegen 17 Uhr dann der Wintereinbruch mit Schneesturm und Minusgraden. Die ausgesetzte Passage zum Schilthorn war nicht mehr passierbar, die Markierungen mit 10 cm Schnee überdeckt.
Über die Verlegung des Ziels um gut 200Hm nach Birg hab ich mich nicht gefreut, zumal meine Übelkeit nun überstanden war. In der ersten Gruppe, die das neue Ziel erreichte, kam ich nach knapp 12 Stunden an. Den Zielein"lauf" sollte man sich am besten auf dem Inferno-Video anschauen. 

5. Etappe: Ex-Bier im Ziel
Da war man doch etwas enttäuscht: Statt dem im Verpflegungsplan angekündigten Ex-Bier musste ich mit dem Wasserhahn Vorlieb nehmen. Bitter! Wofür hatte ich eigentlich meine letzten Reserven geschont?
Hier offenbarte die perfekteste aller Triathlonveranstaltungen doch eine Schwachstelle: Keine Getränke, die Wechselkleidung erst eine halbe Stunde später da. Viele litten - noch immer in kurzer Bekleidung - an Anfällen von Schüttelfrost. 

6. Etappe: James Bond-Casting
Auf dem Schilthorn (Piz Gloria) wurde ein Bond-Film gedreht (der mit den Models im Gipfel-Sanatorium). Als Höhepunkt aller Trainingseinheiten hatte ich extra diesen längsten aller Bond-Filme brav angesehen. Wäre ich eine Minute eher auf der Traverse angekommen, hätte ich wie einst J.B. zu den Mädels auf´s Schilthorn gedurft. 

7.Etappe: Auto abschleppen lassen
Zurück im Tal erhielt man die komplette Wettkampfausrüstung aus 3 Wechselzonen an einem Ort - perfekter Service! Was oben als Schnee fiel, kam im Tal als Regen an und verwandelte die Parkplatzwiese in ein Schlammloch (das letzte für heute!). Auch hierfür standen 2 Traktoren bereit - eben alles perfekt organisiert - die mein Auto rauszogen. Damit war der Wett(er)kampf endgültig beendet.  
Die Hotelangestellte war auch sehr nett (wie alle Schweizer), so dass man trotz zehnstündiger Anfahrt die Veranstaltung nur weiterempfehlen kann: So viel erlebt man bei einem gewöhnlichen Ironman nicht!

Fazit: Mit über 5500Hm ein echter Härtetest, der vom Sommer im Strandbad bis zum Schneeinferno alles bietet.

Bilder: SwissImage, Ralf Heinze

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