Dr. Achim Heinze


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6h Radmarathon Malching 21.8.2010

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6-Stunden-Radmarathon Malching 21.8.2010

Im Landkreis Passau, unweit meines Wohnortes, sollte im Sommer 2010 erstmals ein Radmarathon mit Wettkampfcharakter ausgetragen werden. Was im Frühjahr zunächst noch als Gerücht kursierte, wurde beim Mondsee-Radmarathon dann aber bestätigt: Ein Flyer an der Windschutzscheibe unseres Pkws kündigte den "Radmarathon Malching" nun offiziell an.

Am Samstag, dem 21. August, war es schließlich soweit. Bei heißem Sommerwetter fanden sich über 100 Teilnehmer zur informativen Rennbesprechung um 11.30 Uhr ein. Eineinhalb Stunden später, Punkt 13.00 Uhr, erfolgte der Startschuss. Eine 20 km-Runde mit 300 Höhenmetern (5 Anstiege, bis zu 14%) muss so oft wie in 6 Stunden möglich, komplett durchfahren werden.

Nahezu alles was in Ostbayern bzw. Oberösterreich fahrradbezogen Rang und Namen hat, dominiert von Beginn an die erste Gruppe. Dementsprechend hoch wird das Tempo von den Zweier-Teams gehalten. Der erste Anstieg geht noch ganz locker, doch schon am zweiten Berg kommt es zur ersten Herausforderung. Mein Bruder Ralf sprintet nach vorn, um die Lücke vor mir wieder zuzufahren, obwohl er etwas angeschlagen ins Rennen gegangen ist. Etwa 10 Teilnehmer rasen nach der ersten Runde wieder durch Malching, wo hinter den Absperrgittern die begeisterten Zuschauer sogar in Zweierreihen stehen.

Bei den Zweierstaffeln kommt jeweils der frische Mann und sprintet los. Unsere Gruppe wird kleiner, nun erwischt es meinen Bruder, der rausfällt. Vier Zweierteams und drei Einzelstarter bilden für die ersten vier Runden die Spitzengruppe. Das Tempo bleibt hoch und besonders am zweiten und fünften Anstieg mit deutlich über 10 % Steigung, kommt man jedesmal leistungsmäßig in den roten Bereich. Der Vorsprung zur nächsten Verfolgergruppe wächst rasch an, doch mir ist bewusst, dass ich dieses teilweise doch sehr scharfe Tempo nicht über sechs Stunden mitfahren kann. Gegen Ende der vierten Rennrunde ist es dann passiert: Ich muss die Spitzengruppe ziehen lassen und eine dreieinhalbstündige Solofahrt beginnt.

Zunächst lege ich die langsamste meiner Runden vor, um mich etwas zu erholen - was letztlich auch gelingt. Im weiteren Rennverlauf versuche ich, möglichst konstant im oberen G2-Bereich zu bleiben und Belastungsspitzen zu vermeiden. Bei etwa 30° im Schatten und vielen Anstiegen in der prallen Sonne drohen Krämpfe, die sich schon ansatzweise bemerkbar machen. Abhilfe schaffen drei Trinkflaschen, welche mir meine Eltern vom Streckenrand reichen. Motiviert wird man auch von den vielen Fans an der Strecke. Das Radrennen scheint von der Bevölkerung sehr gut angenommen zu werden.

Ich selbst mache mir neben dem bei dieser Hitze kaum zu ersetzenden Flüssigkeitsverlust Gedanken, wie weit die Verfolger hinter mir sein könnten. Auf dem dritten Rang liegend, habe ich nur gesehen, dass Alexander Stadler als Zweitplatzierter ebenfalls solo vor mir fährt. Doch der Rennstand scheint so zu bleiben. Einige Teilnehmer werden überrundet. Sie fahren wohl ebenso am Limit. An ihren Trikots erkenne ich Schweißkrusten - ich werde wohl nicht viel anders aussehen. Das Besondere an einem 6-Stunden-Rennen ist die Tatsache, dass alle relativ dieselbe Leistung bringen müssen. Absolut gibt es natürlich Unterschiede, was dann im Ergebnis sichtbar wird. Aber gemeinsam bleibt, dass alle im Ziel nach Rennende um 19.00 Uhr etwa gleich "fertig" sein werden.

Wann ist das Ziel für mich erreicht? Ist nun die neunte Runde schon meine letzte oder nicht? Ich hoffe es, spare mir aber noch Kraft für eine mögliche weitere Rennrunde. Um etwa 18.20 Uhr durchfahre ich den Zielbereich. knapp 40 Minuten würde eigentlich noch für eine Runde reichen. Doch ich habe weder noch zu trinken noch großen Enthusiasmus für eine zehnte Zugabenrunde. Sicherheitshalber trete ich dennoch weiter. Nach dem ersten Berg halte ich im Schatten an. Falls wirklich noch ein Einzelstarter kommt, werde ich mit ihm gemeinsam fahren. Ein Staffelteilnehmer muntert mich auf, mitzufahren. Doch am zweiten Berg kommt mir das Unterfangen sinnlos vor - es wird sich zeitlich nicht mehr ausgehen bis um 19.00 Uhr das Ziel zu erreichen.

Ich lege mich zur Entspannung kurz an den Streckenrand, die leere Radflasche als Kopfkissen, den Blick auf die Strecke gerichtet. Sicher ist sicher. Die ersten Radfahrer, welche ebenfalls eine allerletzte Runde versuchen wollten, drehen bereits um und vermuten, dass hier ein Erschöpfter liegt. Ich höre etwas von "Da liegt einer!" und "Der ist bewusstlos!", deshalb springe ich schnell wieder auf und trete zurück ins Ziel. Dort sind tatsächlich alle etwa gleich erschöpft und von den Strapazen und besonders von der Hitze gezeichnet. Das gemeinsame Finishen macht diese Art von Rundstreckenrennen eben auch aus. Mit dem dritten Rang der Einzelwertung hinter Alexander Stadler (Gourmetfein Wels) und Günther Schinwald (KTM Mattighofen), die sogar eine zehnte Runde geschafft haben, klingt der Rennabend aus.


Fazit:

Ein sehr gut organisiertes Radrennen (sogar die Straße wurde kurz vor Rennbeginn noch gekehrt!!); viele begeisterte Zuschauer, die sechs Stunden lang durch Anfeuerungsrufe, mit Ratschen, usw. die schwierigsten Streckenabschnitte "entschärften"; man darf gespannt auf Neues von ACS-Event hoffen!


Bilder: Stefan Huber, acs-event




Vor dem Start
Start um 13.00 Uhr
Einsames Rennen mit Tour de France-Ambiente
mit Alexander Stadler, Rang 2
Die 2er-Tempo-Staffeln im Ziel
Die Ritzlfuchser-Polonaise
Radfahrerehrung im Schützenheim

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