Dr. Achim Heinze


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Radmarathon-Samsonman 1.7.2007

Wettkampfberichte > 2007

1. Juli. 2007 Samsonman-Radmarathon  220km/4600HM 

Bis zum letzten Jahr durfte sich diese Veranstaltung noch Radmarathon-WM nennen. Hoffentlich ist nicht ein Rückzug von Sponsoren der Grund für den Wegfall der WM, die es leider sonst 2007 nirgends gibt! Der sportlichen Klasse tat dies keinen Abbruch: Mit meiner letztjährigen Zeit wäre ich auch dieses Jahr wieder an der gleichen Stelle in der Ergebnisliste aufgetaucht. Dank reduziertem Lauf- und ohne Schwimmtraining, dafür mit 12000 Kilometern in den Beinen machte ich mich auf, ein wesentlich besseres Ergebnis 2007 zu erzielen. 
Gehandicapt von 2 kurzen Nächten (Schulfest, Stadtfest) bimmelte nach 4 Stunden Schlaf um halb 5 der Wecker. Bei der Anreise verfuhr ich mich gleich in Braunau Richtung Mondsee (wohl die Macht der gewohnten Strecke) und holte gegen halb 8 als so ziemlich letzter Biker die Startunterlagen ab. Dementsprechend weit stand ich bei der Startaufstellung hinten, was aber wieder aufzuholen war. Die ersten 4000 Höhenmeter auf 100 Kilometern waren nur bergauf - bergab und gemäß RTL-Deutsch "absolut windschattenfreie Zone"! 
Über Schönfeld, Innerkrems, die Eisenhöhe (2042) und Grundtal folgte auf der Nockalmstraße die Schießtelscharte (2024m). Das Fahrerfeld vereinzelte sich immer mehr. Da ich mich selbst verpflegen musste, hielt ich oben kurz an, wobei mir 3 Fahrer wegfuhren. Bei Ebene Reichenau, meist dem heißesten Punkt des Marathons (mittlerweile in Kärnten) schlossen 2 Fahrer zu mir auf. Doch sofort ging es wieder bergauf nach Hochrindl. Schnell waren wir zu sechst. Bei der Abfahrt zerfiel diese Gruppe erneut in 2 Dreierteams. 
Von Glödnitz (748m) hinauf nach Flattnitz (1400m) versuchte ich, einem weiteren Fahrer aufzuschließen. Leider gelang es nur mir. Den fünften Mann (stark im Flachen), hätten wir noch gut gebrauchen können; besonders deshalb, weil 70 km vor dem Ziel nur noch 3 von unserer Vierergruppe in die Führung gingen.

Bei Samsonman sitzt jedem Fahrer irgendwie die Angst im Nacken, die 120 km mit meist Gegenwind allein fahren zu müssen. Angesichts vieler Fahrer, welche bei der Trennung (103km) auf die kurze Strecke wechselten, gar nicht so unwahrscheinlich.  50 km vor dem Ziel dann ein verhängnisvoller Fahrfehler: Auf einer harmlosen Abfahrt kurz vor Baiersdorf fahre ich in eine Kurve, wobei ich zuvor nur schwach abgebremst hatte, weil es leicht zu regnen begonnen hatte. Möglicherweise spielte auch eine Rolle, dass ich wegen (zuvor) stets sehr holprigem Fahrbahnbelag nur leicht im Sattel saß und damit mit dem Hinterrad zu wenig Bremswirkung entfaltete. Jedenfalls schaffe ich die Linkskurve nicht, schramme an der Leitplanke entlang und freue mich schon, dass sie mir hilft. Irrtum! Die Hand zwischen Lenker und Leitplanke machte dieses Spiel nur kurz mit. Ein stechender Schmerz lässt mich umgreifen, wozu ich aber nicht mehr komme. Im nächsten Moment finde ich mich auf der Leitplanke wieder. Nur leicht gebremst schlittere ich auf einen scharfen Metallträger an der Außenseite der Leitplanke zu. Nichts zu machen. Gar nichts: Mit dem Kopf pralle ich direkt und in voller Erwartung dagegen und lande ziemlich unsanft rechts außerhalb der Leitplanke. 

Mein erster Gedanke: Jetzt fahren die einfach weiter, der zweite gilt der blutroten Hand. Was ist eigentlich verletzt? Ein ziemlich geschockter Betreuer der Ex-Mitfahrer sieht mich an. Ich beschwichtige sofort, denke aber wiederum: Wenn doch was ist? Also frage ich ihn, was er sieht. Mich schmerzt vor allem der Kopf. Mit zerschnittener Rückhand fädele ich die nach außen abgefallene Kette wieder ein (bin eben Rechtshänder!). Flaschen, Bananen, alles wird wieder eingesammelt. Als ich weiterfahre holpert das Vorderrad extrem. Dementsprechend langsam fahre ich ab. Den rechten Handschuh abzuziehen, schmerzt ordentlich. Drei Schnitte, von welchen einer genäht hätte werden müssen, und ein komplett blauer linker Arm sowie Schnitte und Blutergüsse an beiden Oberschenkeln entdecke ich erst später. Sorgen mache ich mir um meinen Kopf (sind bei einer Gehirnerschütterung durchblutungsfördernde Maßnahmen, sprich noch 50km ins Ziel zu fahren, sinnvoll?); auch um die ständigen Bluttropfen auf den Oberschenkeln (von der Hand >danke für das fliegende Pflaster!) und um die nicht an der Labe wartende Windschattengruppe. Dann sind wir ja doch nicht 20., sondern weiter vorn! Leider dauert das Einfüllen sehr lange und ich sehe die Chancen auf Windschatten schwinden. Da fällt mir ein, dass ja nur noch 2 in die Führung gehen. Das schaffe ich! Die Erkenntnis, lieber 10 km mit knapp 50km/h allein zu fahren, als 50km mit 32km/h allein ins Ziel, treibt mich an. Ohne Betreuung war ich an diesem Tag ohnehin schon mehrmals gezwungen, nach den Laben der Gruppe hinterher zu sprinten, was stets gelang, da ich offensichtlich im Flachen sehr stark geworden bin. Nach einer demoralisierenden Fata Morgana (ein anderer Einzelfahrer) erblicke ich die 3 tatsächlich wieder. Das motiviert! .

Als sie mich bemerken, lässt sich ein Begleitfahrzeug etwas zurückfallen. Ich sollte wohl im Windschatten fahren, muss aber bremsen. Derny spielen ist schwer, wenn man sich nicht kennt! Ich verstehe es als nette Geste, dass ich wieder willkommen bin, winke ihn aber wegen des Verbots, besonders aber wegen der Abgase weg. Als wir 4 wieder vereint bergauf einen Traktor überholen, merke ich, dass es wieder geht. Allerdings fühle ich mich müde und erschöpft. Aber nichts gegen das, was sich am letzten Berg (100HM, 6 km vor dem Ziel) abspielt: Wir überholen einen weiteren Fahrer, der sogleich mitfahren will. Seine Schmerzschreie zeugen von übelsten Krämpfen! Hier am Burgberg wäre der Zuschauerspot schlechthin! Kurz vor St. Michael sind wir noch zu dritt. 100 Meter vor dem Ziel fahre ich noch fast in die falsche Straße; nach 8 Stunden und 1 Minute laben wir uns schließlich als 8., 9. und 10. am Zielbier. Mitnehmen kann ich neben einem schrottreifen Vorderrad (Hochachter), die Erkenntnis, dass kein Radrennen eine gesundheitliche Einschränkung wert ist. Aber das wusste ich auch schon vorher. In the end it´s just a bicycle race.
Gilt als einer der schwersten Radmarathons. Die Kombination von notwendigen Kletterfähigkeiten bis Kilometer 100 und Tempohärte auf der zweiten, welligen Streckenhälfte würden die erneute Vergabe der Radmarathon-WM hierher rechtfertigen. Einziger Nachteil: Sehr schlechte Straßen!

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