Dr. Achim Heinze


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2015

Presse


In: OX-Fanzine Dez/Jan 14/15

Auf der Jagd nach den höchsten Alpenpässen

"Achim, Du bist ja nicht als Extremsportler auf die Welt gekommen. Warst Du als kleiner Junge auch schon über die Maßen von Deinem Fahrrad begeistert?"

Im Grundschulalter tuneen wir schon alte Räder vom Schrottplatz: alles, was sperrig aussah, wurde gleich abmontiert, anschließend der Rahmen angepinselt und danach mit dem Rad über selbstgebaute Rampen gesprungen. Mit Ausdauersport hatte das allerdings noch nichts zu tun. Parallel dazu spielte ich Fußball im Verein. Als schließlich als Zwanzigjähriger mit anderen spieltechnisch nicht mehr viel zusammenging, fing ich an zu laufen. Erst einige Jahre später nahm ich spaßeshalber am ersten Zehn-Kilometer-Lauf teil. Danach gleich ein Halbmarathon und dann der erste Laufmarathon.
Das nächste sportliche Ziel war ein Ironman, danach kam direkt der doppelte Ironman und so bin ich letztendlich zum Extremradsport gekommen. Ich brauchte einfach noch mehr Kilometer und vor allem Höhenmeter!

""Es ist ja eher ungewöhnlich, dass man vom Marathonläufer gleich zum Triathlon - und dann auch noch zum Ironman - wechselt. Wie kam es zu diesem Gesinnungswechsel?"

Nach dem ersten Laufmarathon stellte sich die Frage: Schneller, höher oder weiter? Meine Antwort war schnell gefunden: Weiter! Was ist der next step? Und das war eben der lange Triathlon.
Parallel dazu fiel auf, dass ich besser Rad fahren als Laufen kann und das vor allem lang und bergauf. Somit kam zum Weiter das Höher dazu. Alpenpässe haben mich schon immer fasziniert! Dass man mehrere davon in Serie fährt und mehr als 10000 Höhenmeter nonstop machen kann, das wollte ich auch ausprobieren. Mit kurzen Veranstaltungen hab ich mich gar nicht lange aufgehalten - mein sechstes Radrennen überhaupt war gleich 1000 Kilometer lang, ohne Pause.

"Wie muss ich mir als Laie das Verhältnis zwischen Radfahrern und Autofahrern beim Überqueren eines Alpenpasses vorstellen?"

Grob gesagt: Bergauf gewinnt der Pkw, bergab der Rennradfahrer - übrigens auch gegenüber Motorradfahrern, das sind ja meist schon etwas ältere Semester...
Oder anders formuliert: Bergauf schwitzt man wie ein Schwein, bergab friert man tierisch - um im Bild zu bleiben.
Und noch ein Begriffspaar gibt es dazu: Bergauf kann man vor Anstrengung weder essen noch trinken, bergab muss man - zumindest im Extremradsport - versuchen, wenigstens ein paar der verbrauchten Kalorien wieder reinzustopfen.

"Gab es damals schon den Punk in Deinem Leben und hat er Dir bei Deinem Start als Ausdauersportler geholfen?"

An Punkrock ist man in Plattenläden der 80er Jahre nicht vorbeigekommen. Diese Musik hat mir schon gefallen bevor ich überhaupt den ersten Ton davon gehört hatte. Ich weiß nicht, wie oft wir das Plattencover mit dem "Sid sings"-Button oder Machine Gun Etiquette von the Damned in den Händen hielten, bevor einer von uns sich erbarmte, sein Taschengeld zusammenkratzte und das Teil schließlich kaufte.
Was den Einstieg in den Sport anbelangt, haben es Normahl mit der Textzeile "Punk ist seinen eigenen Weg zu gehen" auf den Punk(t) gebracht: Wer nur anderen hinterherläuft, z.B. die Trainingsmethoden anderer kopiert, wird diese damit kaum überholen. Auf ausgetretenen Pfaden kann man nichts Besonderes mehr erreichen. Man muss sich auch selbst etwas zutrauen, seine eigene Methodik entwickeln und an sich selbst glauben. Insofern hilft eine punkige Einstellung schon weiter, wenn man eine nicht alltägliche Sportart, wie den extremen Ausdauersport betreibt!

"Gab es damals schon bestimmte Songs, die Dich auf Deinen Langstrecken besonders motiviert haben?"

Es gab Songs, die mich motivierten, aber auch Stücke , die mich eher demotiviert haben. Fangen wir mit Zweitem an. Ein bekannter Triathlet hat in einem Interview verlautbart, dass er musikalisch alles höre, was in den Top 10 sei. So etwas ruft natürlich eine Gegenreaktion hervor: Ich höre von dem, was in die Top 10 katapultiert wird, null Komma null! Etwas von diesem Widerspruch konnte ich dann als internen Antrieb auch aufs Rad transportieren.
Was Lieblingsstücke betrifft - man wird nach 20 oder 30 Stunden im Rennradsattel sehr, sehr wählerisch. Das betrifft das Essen, die verbale Kommunikation, aber auch die Musik. "Burner" von Motorhead geht allerdings immer! Da wird es einem sogar in der kältesten Nacht warm ums Herz.

"Wie groß ist die Szene der Extremradfahrer?"

Es ist natürlich Definitionssache, wer was unter "extrem" versteht: Es gibt einen Radmarathon mit 240 km Länge und vier Pässen, dort bewerben sich jährlich 20000 Personen, 4000 dürfen dann starten - das fällt allerdings nicht unter Extremsport in engerem Sinne.Per Szenedefinition gelten Radrennen ab zwölf Stunden aufwärts zu dieser echten`Hors-Kategorie. Summa sumarum sind es wenige hundert, die sich so etwas zutrauen können.

"Wieviel Zeit bzw. Kilometer verbringst Du noch beim Training, wenn die Wettkämpfe schon so extrem lang sind?"

Schon einigermaßen viel: Pro Jahr so um die 20000 Kilometer auf dem Rad; wenn man alles mit einrechnet, wie z.B. Alternativsportarten und Koordinationstraining, dann darf man von ca. 1000 Sportstunden im Jahr ausgehen.
Direkt vor einem Wettbewerb wird natürlich reduziert, sodass man gut erholt und "rennhungrig" antreten kann.

"Wie ernährst Du Dich grundsätzlich und im speziellen vor und während der Wettkämpfe"

Aus Tierschutzgründen esse ich seit 1996 so gut wie gar kein Fleisch mehr. Zehn Jahre sogar als Hardcore-Vegetarier, mittlerweile allerdings mit sozialem Anstrich, sprich: Wenn ich unter Fleischessern bin, beiße ich auch mal rein, selbst wenn´s mir nicht mehr besonders schmeckt. Alles andere führt erfahrungsgemäß zur zu sinnlosen Diskussionen und letzlich dazu, dass sich die Fronten zwischen Vegetariern und Fleischfetischisten weiter verhärten und das bringt den Tieren herzlich wenig.
Im Ausdauersport lebt man unterwegs hauptsächlich von Kohlehydraten, z.B. Maltodextrin, sodass die Energie leicht verzögert zur Verfügung steht und länger anhält. Die Nebenprodukte der Kohlenhydratverwertung benötigt man für den Fettstoffwechsel, der sich überweigend aus dem Körperfett speist. Es gibt derzeit bei manchen Langstrecklern die Tendenz, dem Eiweiß eine Art Renaissance zu gewähren, was aber nicht sinnvoll erscheint. Eiweiß, vor allem körpereigenes ist eine Substanz, deren Abbau und Verwertung nicht ganz unproblematisch ist

"Welches sind Deine Top-Drei-Alben für die einsame Insel bzw. die nächsten Alpenpässe?"

Demolition 23 von der gleichnamigen und leider nur sehr kurzlebigen Band von Michael Monroe: guter Old school Punk; auf jeden fall immer dabei: White light, white heat, white trash von Social Distortion und finally: No lunch von D´Generation - alles Alben, die man gut von vorn bis hinten durchhören kann!

"Du warst sogar schon zwei mal Weltmeister im Ultraradmarathon. Wie viele Kilometer waren da zu absolvieren?"

Das war 2009 und 2012.. Es waren jeweils 1000 km und 16000 Höhenmeter. nonstop, in einer einzigen Etappe. Das bedeutet, die Stoppuhr läuft Tag und Nacht - wer sich hinlegt, um zu schlafen oder nur absteigt, um zu essen, verliert Zeit. Deshalb macht man alles auf dem Rennrad. Schlafen natürlich nicht, das fällt für 40 Stunden aus. Beide Male habe ich mich gut gefühlt, das merkt mna gleich am ersten Berg, ob man nur gerade so mithalten kann oder noch Reserven hat.


"Was hat man sportlich noch für Ziele, wen man schon alles erreicht hat?"

Auch wenn das jetzt nach wenig Street-Credibility klingt: Wenn man im Sport etwas Außergewöhnliches erreicht hat, sollte man lebenslang ein Vorbild für sportliche Lebensführung bleiben! Lieber in Zukunft etwas langsamer ins Ziel kommen, dafür erhobenen Hauptes und mit Stil! Auf gar keinen Fall um Platz 20 sprinten, sondern Souveränität zeigen. Für einen doping- und auch medikamentenfreien Sport kämpfen.

Das Unternehmen eines in die Riviera verliebten deutschen Arztes: Im Fahrradsattel von Bayern nach Bellaria

Wer weiß, wie man auf deutsch für "Ich habe Lust auf Radfahren sagt?" - Ab in die Pedale! Dieser bekannte Ausspruch ist im großen Stil von einem bekanntn deutschen Arzt im Alter von 44 Jahren in die Tat umgesetzt worden. Achim Heinze, der Ausführende der Reise im Fahrradsattel nach Bellaria Igea Marina. "Ich habe 4 Etappen gebraucht", erzählt der Radtourist, "2 davon nach Verona und anschließend Faenza, von dort aus die letzte im Eiltempo bis ans Meer, meine geliebte Adriaküste". Achim Heinze, ein geschätzter Arzt Jahrgang 1971 lebt in Simbach am Inn, der bayerische Ort, von dem er aufgebrochen ist, um die Riviera zu erreichen.

Dieser Tage weilt er im Hotel Mondial, zusammen mit weiteren leidenschaftlichen Radlern der Gruppe Moeve-Schmelz: eben dieses Sportteam, geleitet von den beiden Kapitänen Josef Görgen und Stefan Thome, ist sehr glücklich darüber, seit 25 Jahren im Hotel Mondial untergebracht zu sein.

"In den Bergen habe ich gefroren", für den Rest (der Reise) war alles bestens, alles glatt gelaufen", so Heinze. Und schon gestern war wieder ein Trainingstag: 150 Kilometer mit dem Team in den Hügeln und Kehren der perfekten Radregion "Berge der Romagne"



















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