Dr. Achim Heinze


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Ötztaler Radmarathon

Wettkampfberichte > 2011

Ötztaler Radmarathon 28.8.2011 (238 km/5500 Hm)


Der Ötztaler Radmarathon gilt als das Non-Plus-Ultra der Szene, vergleichbar mit der Stellung des New York-Laufmarathons bzw. des Ironman Hawaii. Teilnehmen darf nur, wer bei der Verlosung der Startplätze Glück hat.
Zum 30jährigen Jubiläum war ich zusammen mit über 4000 weiteren Teilnehmern erstmals am Start. Erstteilnahme bedeutet "hinten reinstellen" - wenn man dabei unter 8:30 Stunden finisht, darf man im Folgejahr in den vorderen Elite-Startblock mit 400 Ambitionierten - so sind die Spielregeln.

Nach einer kalten Nacht im Pkw - Hotelzimmer sind längst ausgebucht - stehe ich bei ca 5° etwa an Position 2000 im Starterfeld. Ein Novum - man sieht hier auch ganz andere Fahrertypen: viele gelassene Teilnehmer, aber auch Abschiedszenen spielen sich ab als ginge es an die Front. Der letzte Tee wird gereicht. Auch ich gönne mir einen Schluck aus der Radflasche - trotz Schlafsackaufenthalt ist der Bidon immer noch eiskalt!

Endlich ertönt der Startschuss. Doch bis auch wir in die Pedale einklicken, dauert es noch mehr als fünf Minuten. Langsam geht es dann aus Sölden hinaus in die Morgenkälte des ersten schönen Herbsttages. Meine Mission lautet "Überholen, aber nicht um jeden Preis!" Nach 30 km kommt endlich der erste Anstieg! Aufwärmen! Im Slalom überhole ich einige hundert Marathonisten. Am Ende der Steigung (Kühtai 2020 m) stehen sehr viele Zuschauer und Betreuer Spalier, fast vergleichbar mit Profi-Radrennen im TV.

Nach der Abfahrt zeigt sich der entscheidende Nachteil, nicht vorne gestartet zu sein. Mit nur 32 km/h im Flachen bummeln wir dahin. Locker kann ich mich mit den Journalisten von Tutto Bici im Pkw unterhalten, fahre kurz rechts ran und nehme meinen am Vortag deponierten Verpflegungsbeutel von einem Gartenzaun. Aber was hätte jetzt eine Solo-Attacke zur nächsten Gruppe, die auch nur wenig schneller fährt, für einen Sinn? Die Devise lautet daher: "Mitfahren, ab dem Jaufenpass dann aber das eigene Renntempo!"

Nach dem Brennerpass (1377 m) mit Hunderterscharen von jubelnden Zuschauern starte ich am Fuße des Jaufenpasses (2090 m) meine Aufholjagd. Bei 7 % Dauersteigung schiebe ich mich bis zur Passhöhe auf Rang 160 vor. Auf der holprigen Abfahrt bleibe ich allein, ab St. Leonhard geht die Aufholjagd weiter. Als ich Paul Lindner passiere, ist klar, dass ich mich nun im vorderen Bereich befinde. Jan Ullrich, Philip Götsch und Gerrit Glomser muss ich ebenfalls überholt haben - ohne die Prominenz der Namen auf den Rückennummern zu bemerken.

Mittlerweise ist es heiß geworden, aber bei diesem perfekt organisierten Radmarathon erhält man geöffnete Cola- oder Wasserflaschen auf Zuruf. Bei 1800 Höhenmetern mit 9 % konstanter Steigung eine Wohltat! Das Bergpanorama am Timmelsjoch (2509 m) ist herausragend und sicher auch für die vielen per Rad gekommenen Fans ein besonderes Erlebnis!

Gefährlich wird es auf den 238 km nur einmal, auf der letzten Abfahrt. Mehrere weiße (!) Schafe halten sich auf der Fahrbahn auf. Es kostet mich zwar einige Plätze, dass ich hier die Geschwindigkeit deutlich reduziere, aber mit 80 km/h möchte ich nicht mit ein bis zwei Metern Abstand an den Tieren vorbeirauschen! Nach 8 Stunden und 2 Minuten erreiche ich bei meinem Ötzi-Debut wieder Sölden, was Rang 131 von 4000 Teilnehmern bedeutet.

Nächstes Jahr darf ich mit diesem Resultat in den ersten Startblock und peile eine Zeit von 7:45 (bei Regen) bzw. 7:30 an. Dass dies nicht einfach wird, ist mir klar. Aber für jede Minute langsamer, spende ich 2012 zwei Euro an den Deutschen Tierschutzbund. Es soll ja auch ein gewisser Betrag zusammen kommen!

Fazit: Traumkulisse, sowohl was die geschätzten 10000 Fans betrifft als auch landschaftlich; perfekte Organisation, Riesenstimmung!

Bilder: Sportograf

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